Vom Foodblog zum Kochbuch - Teil I.

29. November 2015

Meine lieben Leser.
Einige von euch werden es bereits wissen:
Im Februar 2016 erscheint mein erstes Koch- 
& Backbuch beim Thorbecke Verlag.
Ich kann euch absolut nicht beschreiben,
wie aufgeregt ich bin.
Viele von euch würden bestimmt auch
gern mal wissen, wie es so abläuft,
bis so ein Buch fertig im Regal steht.
Ich wollte das auf jeden Fall wissen,
nur leider gab es keinerlei Artikel
darüber im Internet.
Oder jedenfalls fand ich damals keinen einzigen.
Vielleicht redet da keiner gern drüber – aber
 ich bin immer offen mit euch gewesen
und erzähle gern von meiner Erfahrung.
Vielleicht seht ihr dann auch andere Kochbücher         
mit anderen Augen, wenn ihr lest,
wie viel Arbeit dahinter steckt.


Ich habe für euch eine Art unregelmäßiges Tagebuch geschrieben im Entstehungsprozess und werde diese Erfahrungen in den nächsten Wochen bis zum Erscheinungstermin mit euch teilen. Also: Stay tuned.


28.04.2015: Wie es dazu kam…

Gehen wir mal an den Anfang zurück. Ich hatte schon lange den Wunsch, meine Rezepte und Bilder einmal auf Papier gedruckt zu sehen. Mein Blog ist nun schon über 3 Jahre alt und ich füttere ihn immer wieder mit leckeren Dingen. Natürlich will man irgendwann auch mal einen Fortschritt sehen. Als dann immer mehr BloggerInnen Bücher rausbrachten, manifestierte sich ein Gedanken immer mir: „Du willst das auch. Du willst das auch.“ Nunja, ich bin nicht der Typ, der entdeckt wird. 

Ich bin eine Macherin; ich nehme mein Leben und meine Träume selbst in die Hand und warte nicht, bis das Schicksal mir etwas vor die Füße legt. Mein Lebensmotto heißt: Das Leben ist kurz. Und dann, nach mehreren Monaten nachdenken in denen ich all meinen Mut zusammen gekratzt hatte, schrieb ich ein Exposé. Ich beschrieb mich und meinen Blog und natürlich meine Idee für ein Buch. Ich beschrieb, warum ich genau die richtige dafür bin und das meine Idee auf jeden Fall eines ist: Anders. Verlage suchen nach dem Besonderen, denn der Kochbuchmarkt ist eigentlich komplett überfüllt. Zu jedem Thema gibt es gleich mehrere Bücher und man muss schon Ideen haben, um dort zu bestehen. Der Thorbecke-Verlag erschien mir genau richtig für mein Buch – sie haben bereits ein Bloggerbuch herausgebracht und ihr Verlagsprogramm gefiel mir sehr gut. Ich dachte, dass ich und meine Idee da gut hineinpassen würden. 

Ich druckte also mein Exposé & Rezeptbeispiele aus und schickte das ganze am 06.02.2015 ab. So richtig altmodisch mit in den Briefkasten werfen. Ja, ich muss gestehen, ich machte sogar ein Foto davon… Ihr könnt nicht glauben, wie schwer es mir fiel, das für mich zu behalten. Meine Schwester war mit am Briefkasten, also wusste sie es. Aber einen Vertrauten braucht man auch auf so einem Weg – finde ich zumindest. Eigentlich wollte ich es weiter keinem erzählen, bis ich eine Antwort vom Verlag bekommen würde…Aber meinem Freund musste ich es dann auch sagen. Schließlich wohnen wir zusammen und er würde sowieso die Unterlagen zu Gesicht bekommen…
Ich erwartete zu diesem Zeitpunkt, dass ich keine Antwort bekommen würde. Oder zumindest eine Absage. Ja, ich weiß. Ich denke ein bisschen pessimistisch. Aber in so einem Stadium will man sich auch keine allzu großen Hoffnungen machen.

Gott sei Dank meldete sich knapp 1 Monat später der Verlag bei mir und schrieb mir, dass Interesse bestehen würde. Ich war komplett aus dem Häuschen. Das hätte ich irgendwie trotz allem nicht erwartet. Dann hieß es: Konzept ausarbeiten. Ich hatte ein Vorschlags-Inhaltsverzeichnis eingereicht. Diese bestand allerdings aus Blogbeiträgen. Natürlich sagte mir die nette Dame vom Verlag, dass es ja eine bestimmte Anzahl an Rezepten sein müssten und das mindestens 50 % und mehr neue Rezepte sein mussten – schließlich braucht man einen Kaufanreiz. Ich legte mich also ins Zeug, und jetzt kam mir mein Perfektionismus zur Hilfe. Ich hatte mich seit Januar auf so eine Situation vorbereitet. Ich hatte Inspirationen gesammelt, Ideen aufgeschrieben, Rezepte entwickelt. Ich hatte einige Blogposts, die bereits geschrieben waren, zurückbehalten. Eben für so einen Moment. 

Innerhalb 1 Tages schrieb ich ein komplettes Inhaltsverzeichnis mit 60 Rezepten – nur 11 davon waren vom Blog. Auch der Aufbau meines Buchs sollte nicht schnöde nach Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter sein. Es musste eine besondere Idee her. Ich überlegte und verknotete mir fast das Gehirn und dann kam mir die Idee: Körperteile. Hä? Wie jetzt? Ein Kochbuch nach Körperteilen? Klar. Ich will noch nicht zu viel verraten, aber es gibt z.B. ein Kopf-Kapitel in dem ihr lauter gesündere Rezepte und Schmeckewöhlerchen findet. 

Nunja. Danach hieß es Geduld haben. Meine Kochbuchidee musste zuerst in einer großen Runde vorgestellt und besprochen werden. Das dauerte ca. 5 Wochen oder so (also bis der nächste Termin war). In dieser Zeit kochte, buk und fotografierte ich mir alles aus der Seele was ging. Ich strengte mich ziemlich an – ohne zu wissen, ob es überhaupt was wird. Was wäre gewesen, wenn die große Runde nein gesagt hätte? Nun, ich hätte mir einen anderen Verlag suchen müssen oder aber die Rezepte wären einfach für den Blog gewesen. Punkt. Ich ordnete, legte jede Menge Ordner an, schleppte immer den USB-Stick mit mir herum, druckte mir die Rezepte aus und heftete sie in eine Mappe, die mich ab da täglich begleitete. Wann immer mir neue Dinge einfielen, schrieb ich sie dort auf und tippte es bei der nächsten Möglichkeit in die Worddatei zu dem Kapitel. Ich machte auch ständig Notizen auf den Rezepten etc. Mir kamen meine Durchorganisiertheit und mein Ehrgeiz in dieser Zeit wirklich zugute. Ein Kochbuch zu schreiben ist kein Sprint, es ist ein Langstreckenlauf. 
Nach und nach kamen noch mehr Rezeptideen hinzu und ich kam auf 80 leckere Rezepte, die ich teilweise mehrfach kochte und fotografierte. Ihr glaubt gar nicht, wie viele Stunden Schreibarbeit hinter so vielen Rezepten stecken. Man schreibt Einleitungstexte und alles drumerherum…Sammelt Tipps und Tricks… Hachja. Die Arbeit an einem Kochbuch, zumal wenn man Köchin, Bäckerin, Fotografin, Foodstylisting, Texterin und Editiererin ist, ist ziemlich aufregend und zeitraubend. Außerdem kocht und backt man so viel, dass auf jeden Fall das eine oder andere Kilöchen hinzukommt. Aber dieses Opfer bringe ich gern. ;-)

Aber das schlimmste daran? Man kann es nicht an die große Glocke hängen. Man erzählt es noch nicht, denn irgendwas könnte schief gehen und man will das vor anderen doch nicht zugeben müssen. Jetzt, wo ich diese Zeilen gerade schreibe, weiß  meine Mutter (der ich normalerweise alles erzähle) z.B. noch nicht Bescheid. Es ist der 28.04.2015 und ich stecke gerade mittendrin. Ich habe gerade die E-Mail erhalten, dass meine Beispielbilder, die ich dem Verlag geschickt habe, in der Qualitätskontrolle sind. Bisher war ich von meinen Bildern überzeugt – aber gerade jetzt geht mir die Flatter, dass sie nicht gut genug sein könnten. Wenn man seinen Träumen so nah ist, will man sie nicht mehr gehen lassen. 

Man kann sagen, es wird konkreter – aber man ist noch nicht auf der sicheren Seite. Jetzt heißt es abwarten, Ruhe bewahren und auf eine neue E-Mail vom Verlag warten. Als nächstes muss der Chef es absegnen und dann wird es um Honorarverhandlungen gehen. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen.


Kommentare :

  1. Hui das ist wirklich sehr spannend zu lesen, ich freu mich schon auf Teil 2 und bin sehr gespannt an einen Einblick in dein Buch zu erhalten!=)
    Liebe Grüsse,
    Krisi

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  2. Schön, dass du deine Gedanken von damals hier mit uns teilst. Ich finde es immer richtig spannend und interessant, wie sowas abläuft. Freu mich schon auf die anderen Teile :)
    Lieben Gruß,
    Jenny

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  3. Interessante Einblicke - herzlichen Dank für's Teilen mit uns, Deinen Lesern ;-). Herzliche Grüße, Birthe

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  4. Was für eine spannende Zeit! Übrigens habe ich im letzten Jahr selbst eine Artikelserie "Wie ein Kochbuch entsteht" verfasst, in dem ich den Weg meines Kochbuchs von der Idee bis zu fertigen Buch verfolgt habe. Ich verlinke jetzt mal, weil Du meintest, es gäbe darüber nichts im Netz. Hier ist sie zu finden: http://blog.punktkommatext.de/category/the-making-of-seelenfutter-vegetarisch/

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  5. Hey Sabine! Sehr interessante Reihe, die du da geschrieben hast. Leider passt sie nicht ganz, da ich z.B. auch die Bilder selbst geschossen habe und da der Weg doch ein bisschen anders ist, aber trotzdem sehr interessant. Damals, als ich zum Thema recherchiert habe, habe ich den leider nicht gefunden. LG Christina

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