Meine lieben Leser!
...Die nachfolgenden Rezepte werden für eine Sondermeldung unterbrochen... Ha ha...
Ich
weiß noch gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll, und ob es
überhaupt klug ist, bei so einem Thema Stellung zu beziehen. Aber
immerhin herrscht in diesem Land
Meinungsfreiheit, also drücke ich euch meine hiermit mal auf.
Ich
will heute mal etwas zum Thema „Veggieday in der Bundestagskantine“,
Vegetarismus, Vegannazis und allerlei anderem rund ums liebe Essen
schreiben – und ich weiß, dass
ich dafür viel Kritik ernten werde. Aber wisst ihr was? Das machts doch
erst interessant.
Also
los. Fangen wir bei der Schlagzeile der Bildzeitung an: „Die Grünen
wollen uns das Fleisch verbieten“. Sorry für meine Ausdrucksweise, aber
Bullshit. Um ein bisschen
auszuholen, muss ich allerdings so anfangen: Ich bin weder in einer
Partei, noch in einem sonstigen Verband und ich heiße auch viele
Peta-Aktionen nicht gut. Da ich allerdings seit mittlerweile 8 Jahren
Vegetarierin bin, weiß ich also ein bisschen wovon ich
rede und habe mir ganz am Anfang auch die Illusion erlaubt, Menschen
ändern zu können. Nach einiger Zeit als Vegetarismus-Missionarin habe
ich es aufgegeben, meinen Mitmenschen meine Meinung über Vegetarismus
aufzuzwingen. Hey, ich habe es wirklich versucht,
allerdings habe ich auch schnell erkannt, dass alles gute Zureden gar
nichts bringt, wenn der „zu bekehrende“ es nicht auch will. Kein
überzeugter Fleischesser wird euch zuhören, wenn ihr über Mandelmus und
Seidentofu sinniert und er wird sich von euch vielleicht
zu einem Seitanschnitzel überreden lassen, aber zu Hause wird alles
seinen gewohnten Hackfleischgang gehen – dahin ist die gute Absicht und
es war verschwendete Lebenszeit. Und genausowenig kann man Menschen, die
in einer Kantine essen, eine vegetarische oder
vegane Ernährung aufzwingen. Manche Veganer sehen in Tofuwürsten den
Weg zum Glück („Die schmecken so gut! Da wird keiner merken, dass es
Tofu statt Fleisch ist!“) aber mal ehrlich – stellt es euch mal
umgekehrt vor. Jemand schmuggelt euch eine Fleischwurst
statt Tofuknacker unter. Wie begeistert wärt ihr? Richtig – jeder
Veganer würde genauso Sturm laufen wie jetzt die passionierten
Fleischesser. Keiner will sich vorschreiben lassen, was er zu essen hat,
da ist es egal ob man Frutarier ist, Veganer, Moslem oder
Allesfresser. Moral und Tierliebe hin oder her, es ist jeder sein
eigener Herr und jeder entscheidet selbst, was er isst und was nicht.
Wisst
ihr, ich freue mich jedes Mal, wenn mein Schwager und mein Vater
irgendwas probieren, wo kein Fleisch drin ist, und es ihnen schmeckt
(passionierte Fleischesser).
Ich freue mich darauf, mal für meine Schwester vegan zu kochen und
werde auch da hoffen, dass ich ihren Horizont kochtechnisch erweitere
und sie sich nicht vor Abscheu schüttelt. Und ich finde es toll, dass
meine Mutter alles probiert, was ich ihr vorsetzte
und sie teilweise lieber vegetarisch isst, wenn sie die Wahl hat. Aber
das waren Prozesse - keiner wird von heute auf morgen Vegetarier, denn
es muss im Kopf Klick machen. Meine Reise fing durch einen Film in der
Schule an, und selbst von da an hats etwas
gedauert.
Durch
die ganzen Diskussionen im Netz, im Fernsehen, etc. kommt mir auch
wieder ein Thema in den Sinn, welches ich eigentlich nicht wirklich
diskutieren will – aber es
brennt mir auf der Seele und vielleicht hat ja einer von euch ähnliche
Erfahrungen gemacht. Ich spreche von Vegannazis. Manche werden sich
jetzt denken, hä? Ja – also. Ich will keinen der den Veganismus
unterstützt „dissen“ aber was zu weit geht, geht zu weit.
Ich finde es toll, dass sich z.B. der Vegetarierbund dafür einsetzt,
Menschen den Einstieg in eine vegetarische oder vegane Ernährung
leichter zu machen. Ob das mit Informationsmaterial ist, oder sie eine
Veggibuddy stellen – ich finde es toll. Vielleicht
hätte mir ein Veggiebuddy das Leben damals leichter gemacht, aber
vielleicht hätt ich auch bei meinem Glück genau so einen Vegannazi
erwischt. Menschen, die eben nicht so denken wie ich, die so von ihrer
Sache (nämlich dem veganen Lebensstil) überzeugt sind,
dass sie keine andere Meinung zulassen. Vegetarismus ist schlecht, nur
Veganer sind liebevolle, aufrichtige Menschen, die überhaupt noch in den
Spiegel sehen könnten. Woher ich so eine Einstellung habe? Ganz
einfach: Ich war in meinen Anfangszeiten in verschiedenen
Vegetarismusforen unterwegs. Einerseits um Informationen zu bekommen,
andererseits um vielleicht nette andere Vegetarierer kennenzulernen.
Hah. Falsch gedacht. In einem dieser Foren wurde ich so dermaßen
niedergemacht vonVeganern, dass es mir gehörig die Suppe
verhagelt hat. Menschen mit der Einstellung, dass Eier essen das
schlimmste Vergehen der Welt ist, können ein 15jähriges Mädchen doch
schon sehr verunsichern und niedermachen. Und genau so empfand ich das
damals; als wirklich schlimm. Ich habe mich schuldig
gefühlt, obwohl ich doch eigentlich versuchte, etwas besser zu machen.
Gott sei Dank habe ich irgendwann aufgehört in solchen Foren aktiv zu
sein oder auch nur zu lesen – denn es ist teilweise wirklich verletzend,
wie manche Menschen da mit einem umgehen –
obwohl man doch eigentlich das gleiche Ziel hat! Es ist immer wieder
traurig zu sehen, dass Menschen, sobald sie sich in eine Ecke getrieben
fühlen, mit wüsten Worten um sich schmeißen und ihr Gegenüber
niedermachen müssen. Gerade in der Pubertät fand ich
das teilweise mehr als beängstigend.
Wenn
ein Mensch auf mich zukommt und sagt: „Hier, ich habe gehört, du isst
vegetarisch – was kann man denn da überhaupt noch essen?“ nehme ich das
nicht als Spitze gegen
mich auf, sondern versuche aufzuklären und zu informieren. Ich
unterhalte mich sehr gern über das Thema Vegetariersein und unterstütze
liebend gern beim Einstieg und auch später. Aber etwas tolles wie eine
gesunde Ernährung durch ein derart aggressives und
penetrantes Untergraben der Meinung anderer zu etwas schlechtem zu
machen, finde ich mehr als bedenklich.
Mittlerweile
lebe ich nach dem Motto „Leben und leben lassen“ – und genau das
sollten andere auch. Ich informiere und bin immer bereit, anderen von
meinen Erfahrungen
zu erzählen, Rezepte zu geben oder Ideen zu entwickeln, aber ich
missioniere nicht mehr. Versucht das mal bei einem alten Texaner – den
Veganer will ich sehen, der da nicht mit einer Schrotflinte weggejagt
wird.
Versteht
mich nicht falsch, ich liebe Tiere und ich werde auch keines in Zukunf
verspeisen, und ich finde es auch schrecklich, dass es einen derart
hohen Fleischkonsum
gibt, aber ihr werdet durch negative Gefühle und Assoziationen keine
Menschenseele dazu animieren, beim Veggiday auch wirklich in ebenjener
Kantine zu essen. Ich bin dafür, den Menschen zu zeigen, wie lecker und
reichhaltig vegetarische/vegane Ernährung ist;
vielleicht durch einen Blog wie meine oder durch das Kochen daheim für
Fleischesser. Nur durch Ergebnisse kann man Menschen zum Umdenken
bewegen, aber nicht durch Zwang. Oder hat das schon jemals in der
Geschichte geklappt? Ich denke nicht.
Jeder
sollte sich dazu vielleicht nochmal 1 oder 2 Gedanken mehr machen und
auch mal die andere Seite bedenken. Was sagt ihr dazu?