Über Bio-Obst, konventionellen Anbau und die „ökologische Atmosphäre“ in Bioläden.

21. September 2013

Meine lieben Leser.

Ich weiß, ich weiß. Ich verfasse gern mal viel zu lange Texte, wenn ich mich über ein Thema auslasse. Aber ich bekomme von euch gutes Feedback und das finde ich super interessant. Es macht mir Spaß, eure Meinung zu einem Thema zu hören und dann muss auch mal ein Lesemuffel durch meinen 2-Seiten-Text. ;-)

Es wird mal wieder Zeit für ein ganz bestimmtes Thema: der Bioladen. Ich muss zugeben, nicht alle meine Zutaten beim Kochen und Backen sind Bio, auch wenn das natürlich erstrebenswert wäre. Ich liebe Bioläden, ganz besonders diese „Ketten“ wie denn’s Bioladen oder auch den Alnatura-Laden den es mal eine Zeitlang bei uns gab.
Dort finde ich ausgefallene Zutaten für meine Gerichte, oder einfach wirklich nette Ersatzprodukte für meinen täglichen „Vegetarierbedarf“. Z.B. Sojaflocken für mein Granola; in unserem Rewe würden sie mich wahrscheinlich nur sparsam ansehen, würde ich danach fragen. Kurzum, Bioläden sind mein kleines Mekka und ich liebe es, in ihnen zu stöbern und immer neue Produkte zu finden.

Aber leider gibt´s auch noch die komplette Gegenseite: die Preise. Momentan kann‘s mir noch relativ egal sein, denn ich wohne noch bei meinen Eltern und habe noch um einiges mehr Geld zur Verfügung als wenn ich allein wohnen würde, aber auch jetzt schon sehe ich es nicht ein, für ein Päckchen Mandeln 4 oder 5 € zu bezahlen. Natürlich sind die Sachen vielleicht nachhaltiger angebaut, und vielleicht ist ihr Aroma auch besser weil sie länger am Baum hingen, was weiß ich schon, aber da spricht aus mir einfach auch ein bisschen die Vernunft. Es gibt eine Grenze.

Meine ganze Familie legt viel Wert auf gutes Essen, frische Produkte und gute Verarbeitung. Abgesehen von vielleicht mal nem Maggitütchen wenns schnell gehen muss, wird bei uns frisch gekocht und viel selbstgemacht (kann man ja an meinem Blog sehen, oder?). Wir bauen einiges an Gemüse an im Sommer und sind somit wenigstens ein kleinbisschen auch Selbstversorger. Es gab Zeiten, da haben wir unser Gemüse vom Grünen Boten bekommen, einem Biohof, der einmal wöchentlich Gemüsekisten zusammenstellt und an uns ausgeliefert hat.
Natürlich waren die Produkte einwandfrei und haben sich länger gehalten als vieles aus dem Supermarkt; aber mal ganz ehrlich: Ich musste sonntags im Internet bis zu einer bestimmten Zeit die Kiste zusammenstellen. Also musste ich auch da schon wissen, was ich bestellen will, was koche ich die Woche, steht irgendwas Besonderes an? Wie viel Gramm Paprika esse ich denn so in einer Woche? Wie viel Kilo Möhren brauche ich? Will ich einen Kuchen backen und brauche dafür noch etwas? Wie viel Käse brauchen wir die Woche über, wollen wir irgendetwas überbacken damit oder nur Samstag frühstücken? Wie viel Gramm hat denn eigentlich so eine Stange Lauch und wie viel will ich in meine Suppe geben? Ihr seht, Fragen über Fragen und ich musste darauf jeden Sonntag Antworten finden. Ich fand das nach ein paar Wochen einfach nur noch anstrengend.
Ich bin ein Lustkocher und –backer und ich weiß nicht, was ich am Mittwoch vielleicht backe, weil ich irgendeinen tollen Blog entdeckt habe und etwas nachbacken will. Würden wir näher an dem Hof dranwohnen, könnte man seinen Kram im Hofladen einkaufen – was ich super finden würde. Aber da ich nunmal in einer Stadt wohne, ist das schwierig bis unmöglich.

Unser „Stamm-Rewe“ hat vor kurzem umgebaut und ist nun wirklich hübsch geworden, das Gemüse ist frisch und die Auswahl gut. Es nicht zu kaufen nur weil das Gemüse nicht biologisch-dynamisch angebaut ist, sehe ich nicht ein. Solange ich von der Qualität der Ware überzeugt bin, ist es mir egal, ob die Aubergine biologisch angebaut ist oder konventionell. Es gibt schließlich beides im Rewe, also kann ich abwägen, ob mich die Bio-Aubergine genauso anspricht wie die aus konventionellem Anbau. Wir nehmen täglich so viele Schadstoffe auf, sei es aus der Luft, in unserem Essen oder durch die Kleidung – macht es da wirklich so einen großen Unterschied? Ich meine klar, ich merke auch, dass ich extrem gespritzte Lebensmittel nicht vertrage und höchst allergisch drauf reagiere (Beispiel Erdbeeren aus anderen Ländern wie Spanien = Atemnot nach Verzehr!), aber ich muss auch einfach nicht im Februar Erdbeeren essen – ich kaufe die beim Erdbeerstand um die Ecke, wenn sie hier in DE reif sind und angeboten werden. Das hat nichts mit Bio oder nicht-Bio zu tun, es hat einfach schon seinen Sinn, wenn man etwas saisonal kauft.

Vor 23 Jahren als ich geboren wurde gab´s in den normalen Läden noch gar kein Bio und meine Mutter hat mich bisher auch groß bekommen mit konventionell angebautem Gemüse und Obst; ich habe keine Angst davor. Wir sind zwischendurch auch mal eine Zeitlang nur im Tegut einkaufen gegangen und haben nur Bio-Obst und Gemüse gekauft (das war auch in Ordnung), aber wenn man sich mal in den kleineren Bioläden die Obst- und Gemüsetheke ansieht, da vergeht einem manchmal der Appetit. Obst und Gemüse muss nicht perfekt sein – oh nein – (die Äpfel in unserem Garten sind z.B. fleckig und ich esse sie auch) aber ein wenig ansprechend sollte das Gemüse etc. schon sein. Gammeligen Lauch würde ich aus konventionellem Anbau nicht kaufen also würde ich auch im Bioladen dafür kein Geld ausgeben. Mir geht es auch nicht nur um das Gemüse, ich finde Bioläden sehr wichtig, denn dort gibt es einfach auch für Menschen wie mich (Vegetarier und auch Veganer), so viel mehr Auswahl an Lebensmitteln wie in keinem anderen Laden. Ich finde Buchweizenmehl für meine Pfannkuchen, Soja- und Emmerflocken, Agar-Agar und noch so vieles mehr was ich im „normalen“ Supermarkt nur unter Umständen bekommen würde. Würde es das nicht geben, wäre mein Speiseplan um einiges ärmer.

Aber da kommen wir auch schon zu der Preisfrage. Ist es mir das oftmals wert? Jein; natürlich sollte man Biolandwirtschaft unterstützen und ich bin dankbar für die vielen Ergänzungen meines Speiseplans. Aber auf der anderen Seite geben meine Eltern und ich auch so schon viel Geld für Lebensmittel etc. aus und wenn die Qualität stimmt, habe ich nichts dagegen, den restlichen Teil meines Speiseplans mit konventionell angebauten Lebensmitteln zu bestreiten. Hätte ich die Zeit, würde ich auch gern bei uns auf dem Stadtteil-Markt einkaufen gehen – aber tragischerweise muss ich zu der Zeit, wie viele, viele andere Menschen auch, arbeiten. Punkt. Mir wird also gar nicht die Möglichkeit gegeben, die örtlichen Bauern aus der Umgebung zu unterstützen. Wieso muss denn sowas freitagvormittags stattfinden? Wieso kann man das denn nicht mal nachmittags machen? Kann ich nicht nachvollziehen, die Händler würden wahrscheinlich einiges mehr verkaufen.

Mir liegt die Natur am Herzen und ich finde es schrecklich, was der Mensch mit ihr veranstaltet – aber wir leben auch einfach nicht mehr in den 20er Jahren, wo viele Menschen noch Selbstversorger waren. Wir sind 7 Milliarden Menschen auf dieser Erde und für alle diese hungrigen Mäuler muss Essen her – und da kommt der Biohandel auch einfach nicht mit.

Ich spreche nicht von Gentechnik, das ist wieder ein ganz anderes Riesenthema, aber wir haben das Glück, uns aussuchen zu können, wo wir einkaufen und das mache ich mir auch zu Nutze. Ich kaufe spezielle Sachen in Bioläden, für den täglichen Gebrauch, ist es mir aber einfach meist zu teuer. Wenn ich jetzt ein 5.000-€-Einkommen hätte, würde die Welt wahrscheinlich auch anders aussehen, aber das hat nunmal nicht jeder.

Aber um mal zu einem anderen Thema zu kommen; geht es euch auch so, wenn ihr in einen Bioladen kommt, dass sofort eine „ökologische Atmosphäre“ herrscht? Ich warte jedes Mal darauf, dass im nächsten Gang gerade ein Treffen von langbärtigen und in Hanf gekleideten Männern stattfindet. Natürlich ist es ein Klischee, dass nur komplett-Ökos dort einkaufen, das ist mir auch klar; schließlich gehe auch ich dahin und sehe nun wirklich nicht aus wie eine Ökoanhängerin. Aber ich finde einfach die Atmosphäre interessant und finde es super, dass ich nicht schief angeguckt werde, wenn ich nach gepufftem Amarant frage. Die Menschen da sind ernährungsbewusster und kennen sich genauso gut aus wie ich; das finde ich inspirierend. Vielleicht habe ich doch meinen Beruf verfehlt, ich hätt vielleicht in so einem Laden anfangen sollen. ;-)

Wie ist das bei euch? Wo kauft ihr euren täglichen Bedarf? Bioladen oder Supermarkt? Wie steht ihr zu dem Thema?

Kommentare :

  1. Huhu!

    wir bekommen einmal die Woche eine "Biokiste",
    und ich kaufe eigentlich auch am liebsten bei denn´s und einem kleinen Naturkostladen hier bei uns.
    Das Problem ist aber das finanzielle.
    Ich kann damit nicht unseren kompletten wöchentlichen Bedarf decken, ich muss auch teilweise im Discounter kaufen, weil wir es uns, besonders jetzt wo ich arbeitslos bin, nicht leisten können, nur bio zu kaufen :-(

    Grüßle, Jessi

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    1. Ach ja, übrigens liebe ich auch die "Athmosphäre" in einem Bioladen, wo alles noch etwas persönlicher ist, und die Hektik scheinbar vor der Tür draussen bleibt.
      Ich habe mich in einigen Läden die letzten Wochen auch beworben. (leider ohne Erfolg bisher). Mein Traum wäre, in einem solchen Laden zu arbeiten...

      Grüßle, Jessi

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  2. WoW! Was ein Post. Klasse. Ich hatte eine zeitlang ein Biokiste, aber ich hatte das gleiche Problem wie du. Ich weiss auch nicht am Montag schon, was ich am Freitag noch brauche. Und manches war dann zuviel und anderes zu wenig. Ich kaufe mittlerweile öfters kleine Mengen. Die sind dann frisch und werden auch verbraucht. Auf dem Weg zu meiner Arbeit gibt es einen sehr gut sortierten grossen Edeka. Da gibt es auch normales Obst und Gemüse und eine Bio-Ecke. Ich schaue mir meistens beides an und entscheide dann spontan. Gewisse, sehr belastete Gemüsesorten wie zum Beispiel Rucola kaufe ich grundsätzlich nur Bio. Bananen mittlerweile auch. Da ist aber nicht so ein Preisunterschied, zumal ich nur kleine Mengen benötige. Bei fertigen Lebensmitteln wie Nudeln, Mehl, Milch usw. nehme ich meistens das "normale". Extremst teuer ist Bio-Fleisch. Deswegen kaufe ich das eher selten. Allerdings verkauft dieser Edeka auch Fleisch von einem regionalen Händler, nicht Bio, aber eben regional. Das ist sehr gute Qualität, wenn auch nicht Bio. Man muss halt irgendwie ein Arrangement finden, wie man vorgeht. Wer eine ganze Familie verköstigen muss und regelmäßig kocht und backt, kann nicht nur im Bioladen einkaufen. Sag ich jetzt mal so. Aber einzelne Dinge schon. Es gibt inzwischen auch Bio-Ketten, wie zum Beispiel "Denns-Biomarkt". Der hat auch mal Sonderangebote und vor allem riesengroße Auswahl. Da geh ich auch gerne hin. Da wird dann Tee gekauft und Gewürze. Denn auch das ist normalerweise eher stark belastet.
    Im nächsten Frühjahr eröffnet bei uns ganz in der Nähe ein neuer "Paradieschen Laden" eröffnet. Paradieschen ist einer der größten Bio-Heimlieferservices in Deutschland. die haben dann einen Direktladen dabei. Da freue ich mich drauf! Da werde ich dann Stammkunde, weil die echt qualitativ gutes Obst- und Gemüse haben. Wichtig ist halt das Bewußtsein und die Sensibilität für dieses Thema. Und die Rückkehr zum Selbstkochen, aus "puren" frischen Lebensmitteln, nicht soviel Fertigkrams und dann stimmt die Richtung. Dann braucht die Industrie nicht immer noch wildere und buntere Fertigsachen entwickeln und könnte mehr Wert auf gute Qualität bei den Grundlebensmitteln legen.
    LG Eva

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  3. Ein sehr interessanter Post...Ich kaufe meistens im Discounter, machmal auch bei REWE. In der Regel koche und backe ich mit frischen Lebensmitteln und schaue im Laden wie sehen die Lebensmittel aus und vor allem nutze ich gern Gemüse /Obst der Saison. Ich enstscheide mich auch oft erst am selben Tag was möchte ich kochen oder backen.
    Mit Bio Sachen habe ich bei uns echt ein Problem- Bioläden- keine Chance, es gibt keinen! Ich muss halt immer etliche km fahren, um überhaupt einkaufen zu können. Auch Wochenmärkte gibt es in unserer Region nicht bzw. nur sehr selten. Einen Bauernmarkt haben wir einige km weiter, aber da sind die Preise sehr hoch, dass ich eigentlich nur äußerst selten dort Fleisch kaufe.
    Unsere Bauern fahren manchmal noch von Haus zu Haus und verkaufen dann ihr Gemüse oder kartoffeln. Da kaufe ich auch gern, aber es sind dann nur Kleinstmengen, weil ich kaum Lagerungsmöglichkeiten habe. Tja und Kleinstmengen lohnt sich oft für die Bauern der Anfahrtsweg nicht...Wir haben zwar viel Landwirtschaft, aber kaum Gemüseanbau, meist nur Getreide- und Futtermittelanbau.
    Also wer in einer Großstadt oder Stadt lebt, kann sicherlich dies alles nicht nachvollziehen.
    Für mich ist wichtig, dass ich abwechslungsreiches Essen auf den Tisch bekomme und ich bemühe mich halbwegs gesund zu ernähren.

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  4. Ich kaufe sehr selten im Biomarkt - eben weil es so teuer ist. Das meiste meines Essens kommt vom Supermarkt oder Discounter, ab und an gehe ich gerne auf den Wochenmarkt, der am Samstag immer einen Bauernmarkt dabei hat und ich kaufe da sehr gerne ein, da es einfach aus der Umgebung kommt und preislich echt super ist. Gehe ich doch mal in den Bioladen, dann ist es inzwischen eher denn's, denn diesen finde ich super sortiert und optisch echt ein Highlight (mal abgesehen davon, dass er Cupper hat :D). Alnatura und Bio Basic oder wie die alle heißen meide ich, denn da wird man zumindest bei uns in der Stadt sehr komisch angestarrt - ich falle durchaus auf mit meinen Lederballerinas, der coolen weinrot farbenen engen Hose und der obligatorischen Bluse. Immerhin habe ich wenigstens einen wiederverwendbaren Stoffbeutel dabei und lasse die Plastiktüten so zurück und werde nicht getötet mit Blicken^^. Morgen geht's wieder zum denn's, ich brauche Quinoa, meinen Nutellaersatz und einen Higher Living Tee :) Ich mag Deine Diskussionsposts so gern - gerne mehr davon!

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    1. Oh, danke. Ich bemühe mich, aber ich habe ja auch nicht ständig was zu meckern. ;-)

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Kommentare sind für mich wie ein besonders schönes Dessert, also:

♥ Danke für jedes liebe Wort ♥

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