Das Ding mit Werbung, Geld, Blog & Buch.

23. Oktober 2016

Meine lieben Leser.

Lange habe ich schon keinen reinen Schreibpost mehr gemacht, weil ich einfach nix zu sagen hatte. Aber heute wollte ich mal ein heikles Thema anschneiden und da ich mit euch immer schmerzhaft ehrlich bin, bin ich es auch heute wieder.

Es geht um Werbung auf diesem Blog hier. Auf Christinamachtwas.de. Fangen wir vielleicht mal von ganz vorne an. Schon seit Anbeginn meines Blogs bekomme ich ab und an Produkte zugeschickt. Ich wähle sorgfältig aus und stimme bei weitem den wenigsten Kooperationsanfragen zu, die ich bekomme. Ich will, dass das was ich hier vorstelle, genau das ist, was ich auch mag. Ich will euch keinen Mist empfehlen und könnte mich im Spiegel nicht mehr ansehen, wenn ich ein Produkt vorstelle, welches ich eigentlich blöd finde, nur um Geld zu bekommen. Niemals würde ich vorgefasste Texte veröffentlichen, die man mir schickt. Niemals wird es auf meinem Blog Werbebanner und blinkende Werbefenster geben. N.I.E.M.A.L.S. Und bisher habe ich auch nie Geld dafür verlangt oder bekommen. Mein Blog war bis letztes Jahr ein reines Hobby und ich freute mich (und freue mich heute noch)  schon wie Bolle über die Dinge, die ich zum Testen bekam (bekomme). Außerdem wollte ich nicht, dass ich ein Gewerbe anmelden muss etc. Das war mir bisher immer viel zu viel Aufwand für ein Hobby.

Aber Zeiten ändern sich.

Mit meinem Buchvertrag kam dann auch die Frage nach der Steuer auf. Auf einmal habe ich neben meinem Angestelltengehalt auch noch zusätzliche Einkünfte und kann Dinge von der Steuer absetzen. Ich brauche seit letztem Jahr professionelle Hilfe in Form eines Steuerberaters. Denn ich will nichts falsch machen. Für mich ist das alles neu und ziemlich kompliziert. Gerade in Steuerdingen würde ich sowas immer nur einem Fachmann anvertrauen. So. Wer jetzt denkt, man verdient mit einem Kochbuch Millionen, dem kann ich diesen Zahn jetzt ziehen. Man bekommt einen geringen %Satz pro verkauftes Buch, ja. Aber das macht einen nicht reich – ich habe keinen Bestseller mit Millionenauflage geschrieben, sondern ein Kochbuch mit begrenzter Auflage. Mein Verlag rechnet auch erst zu einem bestimmten Zeitpunkt fürs Jahr ab – d.h. bisher habe ich z.B. noch nichts von meinem Buchgeld gesehen. Fahre aber heute, wo ich diesen Post schreibe, zur Frankfurter Buchmesse. Das kostet Benzingeld, Parken, etc.

Bin ich jetzt käuflich?

Seit ein paar Monaten kooperiere ich mit Firmen auf einer anderen Ebene. Man bietet mir Geld an, damit ich einen Post schreibe. Wenn ich schon einen Steuerberater bezahle, dann kann der auch noch ein bisschen mehr machen. Ich werde nicht dafür bezahlt, vorgefasste Texte oder vorgegebene Meinungen zu veröffentlichen – ich schreibe immer noch, wie mir die Schnutte gewachsen ist und nur das, was ich auch wirklich darüber sagen will.

Aber ich habe auch gemerkt, dass ich anderen Bloggern, die vielleicht davon leben, das Business kaputt mache. Es wird immer jemanden geben, der irgendwas für weniger macht. Aber wenn alle etablierten und stetigen Blogger ein Gefühl dafür entwickeln, dass ihre Arbeit etwas wert ist, ist das für alle besser. Firmen entwickeln dann die Idee, dass wir Blogger halt nicht nur kostenlose Werbeträger sind, sondern etwas anderes mitbringen: Leidenschaft und Ehrlichkeit. Man nutzt uns dann vielleicht nicht mehr umsonst aus, sondern zeigt Anerkennung mit einer kleinen Vergütung. Dieses Selbstbewusstsein muss man als nicht-hauptberuflicher-Blogger erstmal entwickeln. Ich hätte nie gedacht, dass Menschen mich mal dafür bezahlen würden, das zu tun, was ich liebe. Mein Buchvertrag hat mir gezeigt, dass man mit viel harter Arbeit Ziele erreichen kann, die man nie für möglich gehalten hat und wieso sollte man seine Arbeit unter den Scheffel stellen? Klar mache ich auch Kooperationen, bei denen ich nichts bekomme. Kleinen Start-ups mit coolen Ideen knöpfe ich kein Geld ab, wenn mir das Produkt super gefällt und ich überzeugt bin, das es euch auch gefällt oder Mehrwert bietet. Aber gerade bei großen Firmen mit einem „Millionenbudget“ für Werbung sehe ich es nicht mehr ein, umsonst 10 Stunden in einen Post zu stecken ohne Vergütung meiner Arbeitszeit.

Wie muss man Kooperationen denn nun kennzeichnen?

Bisher habe ich das mit der Kennzeichnung falsch gemacht – aus gefährlichem Halbwissen heraus. Ich las aber letztens einen höchst informativen Post auf mohntage.com. Ich dachte, der Hinweis „Sponsored“ würde ausreichen – weil ich ehrlich sagen muss, dass mich das Wort „Werbung“ ziemlich nervt. Ich dachte, jeder weiß doch, was damit gemeint ist. Aber die Rechtsprechung sieht das anders:

Das Landgericht München I (Urteil vom 31.07.2015, Az. 4 HK O 21172/14) verurteilte den Webseitenbetreiber. Er verstieß gegen das Gebot der Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung. Nach diesem Gebot ist sogenannte „redaktionelle Werbung“ verboten. Grund hierfür ist, dass der User über den Werbecharakter von Inhalten nicht getäuscht werden darf. Zur Vermeidung einer solchen Irreführung reicht der Hinweis „sponsored“ nicht aus. Das Gericht beanstandet, dass nicht jeder englisch sprechen oder darauf schließen kann, dass damit gemeint ist, dass Geld für diesen Beitrag geflossen ist.

D.h. die gesponserten Posts müssen sich von den Posts unterscheiden, die ich einfach nur so veröffentliche.

Klar mache ich Werbung für ein Produkt. Aber Werbung hat für mich einen sehr negativen Klang. So richtig negativ. Denn ich hasse Werbung. Ich hasse die Werbeclips im TV; ich schalte immer weg. Mich nervt die 75. Werbung für ein Bier, was mich nicht interessiert und wo ich nichtmal weiß, ob es schmeckt oder nicht. Werbung verspricht oft zu viel und kann es nicht halten. Das ist bei Bloggern anders. Daher habe ich mich entschieden, ein anderes Wort zu verwenden, was genau dasselbe heißt: Reklame. Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht – aber ich verbinde „Reklame“ mit früheren Zeiten. Mit Tante Emma-Läden und bewusster Qualität. Ich mache keine aggressive Werbung für irgendwas. Ich verwende Produkte, von denen ich überzeugt bin und mache Reklame dafür. Weil ich sie mag. Weil ich sie gut finde und denke, andere könnten sie auch gefallen. Ich will die Quelle sein, auf deren Wort man sich verlassen kann und kein geldgeiler Testblog, der über alles berichtet, was ihm in die Finger kommt, egal ob Nonsens oder nicht. Ich will keine Schleichwerbung machen – daher werde ich kommende Kooperationen mit dem Wort *Reklame – Dieser Post entstand in Zusammenarbeit mit XY einleiten und vergangene Kooperationspost aktualisieren. Ich will euch nicht für dumm verkaufen oder etwas verschleiern. Ehrlichkeit ist mir wichtig. Und ich schäme mich nicht dafür, dass etwas, wofür ich sehr hart und lange arbeite und viel opfere, mir etwas zurückgibt.

Wieso nehme ich denn überhaupt Geld?

Zum einen, um Auszusieben. Faire Kooperationen auf Augenhöhe sind das A und O in der Bloggerwelt. Ich habe mit meinem Vollzeitjob, einem Haushalt, familiären Verpflichtungen, einem Blog, einem 2. Buchprojekt und anderen Dingen genug zu tun - eigentlich. Daher muss ich mir meine Zeit einfach einteilen und sehen, dass das, was ich da mache, wenigstens meinen Blog refinanziert. Zum anderen habe ich einfach Kosten – das ist nunmal so. Ich kaufe neue Fotoprops, Kameraausrüstung, etc. Ich lasse derzeit einige Dinge mit meinem Bloglogo bedrucken, um ein wenig wandelnde Werbung für mein „Baby“ zu machen. Schonmal einen Steuerberater bezahlt, den man ohne Blog und Buch nicht bräuchte? Es will alles irgendwie bezahlt und finanziert werden und mein Blog ist ein ziemlich teures Hobby geworden. Für meinen normalen Lebensunterhalt gehe ich in meinem Hauptberuf arbeiten – von meinen Blogeinnahmen kann und will ich nicht leben.

Aber etwas richtig Schönes habe ich mit meinen Bucheinnahmen vor – davon werde ich mir eine Indienreise finanzieren. Denn 2 Jahre Arbeit sollen sich ja auch lohnen und einen krönenden Abschluss finden.

Und zu guter Letzt ...

…hoffe ich inständig, dass euch dieser Post als Entschuldigung für nicht ausreichende Kennzeichnung reicht. Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung – jeder Mensch macht Fehler und ich bin gewillt, mich zu bessern. Ich hoffe, ich konnte euch meine Beweggründe näher bringen und euch davon überzeugen, dass Reklame-Posts trotzdem von mir mit sehr viel Herz und Leidenschaft verfasst werden und vor allem immer eines sind und sein werden – Ehrlich. Für mich ist das auch alles neu und aufregend und manchmal auch etwas verwirrend.

Wie seht ihr das? Negativ? Positiv? Freut ihr euch für den Menschen hinter dem Blog, dass seine Arbeit anerkannt und vergütet wird? Findet ihr das total scheiße und wollt meinen Blog nun nicht mehr lesen? Ich hoffe natürlich, dass ihr mir alle erhalten bleibt – aber ich kann auch verstehen, wenn es euch nervt…

Kommentare :

  1. Für mich persönlich sind bezahlte Blogposts ausgeschlossen. Ich darf kein Gewerbe anmelden, da ich erwerbsunfähig bin und damit meine Rente in Gefahr bringen würde. Ich mag es aber auch so nicht, weil ich mich selbst keinesfalls unter Druck setzen möchte. Das wäre das Ende meines Blogs - meine Belastbarkeit geht aufgrund meiner Erkrankung (Multiple Sklerose) gegen Null.

    Wenn du das machst, ist das ganz alleine deine Sache! Und ich werde deinen Blog ganz bestimmt trotzdem weiterlesen. Du warst immer sehr ehrlich und sehr unterhaltsam, da ändert das Geld, das du verdienst, absolut nichts daran!

    GLG Andrea

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  2. Warum meinen Blogger in Deutschland eigentlich immer, sie müssten sich rechtfertigen, wenn sie durch ihre publizistische Tätigkeit etwas Geld verdienen - ob sie nun hauptberuflich publizieren oder als "Nebenjob"?
    Es ist keine Schande, zu arbeiten & Geld zu verdienen - wer von uns ist denn schon mit Eltern gesegnet, die ein Millionenvermögen vererben, so dass man sich ausschließlich dem kontemplativen Leben widmen kann?
    Bloggen ist Arbeit & bedeutet Investitionen: Geld mit Bloggen verdienen ist nur fair.

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  3. Such a great post and information is really so nice I am very satisfied this post.

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  4. Deine Einstellung kann ich gut verstehen und finde ich auch super. Dass du mit kostenloser Arbeit den Berufsbloggern schadest, hatte ich noch nicht auf dem Schirm. Super, dass du auch daran denkst!

    Also bei dir sind mir die Kooperationen noch nie negativ aufgefallen - also mach weiter so!

    Liebe Grüße

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  5. Ich kann Deine Einstellung gut nachvollziehen. Leider kommen wir Blogger ja nicht um das Werbethema herum. Ich kennzeichne Testprodukte für meinen Blog auch seit einer Weile mit "Werbung", habe es vorher wie Du gemacht und das Wort "Werbung" verursacht mir immer Bauchschmerzen, ich mag es auch nicht. Reklame finde ich allerdings noch negativer behaftet^^ das hat aber private Gründe und ist mit diversen Urlaubsreisen verbunden gewesen in ein Land, was sehr gerne "Reklame" macht :) Ich denke, Deine treuen Leserinnen werden Dich dennoch weiterhin schätzen, wenn Du nun hier und da etwas änderst und es ist wirklich wichtig, alles rechtlich richtig zu machen. Ich persönlich habe noch nie für Geld gebloggt und werde es auch nicht tun, da es ein reiner Hobbyblog war und bleiben wird. Alles andere ist für mich ganz persönlich indiskutabel. Liebe Grüße

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Kommentare sind für mich wie ein besonders schönes Dessert, also:

♥ Danke für jedes liebe Wort ♥

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