Vom Foodblog zum Kochbuch - Teil IV.

17. Januar 2016

Meine lieben Leser.

Heute, im 4. Teil meines Tagesbuchs                           
wirds privat - und es geht ums Geld.

Viel Spaß beim Lesen!

18.08.2015: Der rote Text des Grauens

Gestern Nachmittag bekam ich meinen lektorierten Text per Mail zurück. Einiges war rot und abgeändert – aber es war Gott sei Dank eher mein Satzbau oder aber ich habe die Zutaten einfach so runtergeschrieben und nicht darauf geachtet, in welcher Reihenfolge ich sie benutze. Also eher blog- als kochbuchmäßig…. Doofer Fehler.

Nunja. Ich habe mir alles nochmal mehrfach durchgelesen, Fehler oder falsche Formulierungen berichtigt und auch nochmal einige Fragen beantwortet. Z.B. stellte sich die Frage ob ich den Mohrenkopfkuchen auch wirklich Mohrenkopfkuchen nennen darf oder ob sich jemand daran stören würde. Meine Wenigkeit findet keinen Anstoß am Mohrenkopf – meine Güte, so ist nunmal die historische Bezeichnung. Aber ich habe einen anderen und vielleicht noch treffenderen Namen gefunden. Damit sich niemand aufregen kann…
Meine Lektorin hat mir gerade geschrieben, dass sie nun weiter am Manuskript arbeiten wird – wir arbeiten wirklich Hand in Hand und ich finde diese unkomplizierte Art der Zusammenarbeit toll. Sie legt jetzt z.B. die Seitenverteilung für den Grafiker fest etc. Danach wird das Manuskript in den Satz gegeben. Die Grafiker arbeiten nun schon an einem Probelayout und wir bekommen es dann in ca. 1 Woche um zu sehen, ob es zum Buch und zur Zielgruppe passt. Das sind alles sehr kreative Leute und ich bin schon wirklich gespannt, was sie aus allem so machen.


21.08.2015: Das Probelayout ist da!

Ohje. Ich bin gerade der glücklichste Mensch auf Erden. Nicht nur, dass ich gestern meine erste Yogastunde in der Yogaschule hatte und sie einfach nur toll war, nein. Ich habe gestern das Probelayout für mein Buch bekommen. Wow. Jetzt wird es irgendwie greifbar. Bisher waren es nur digitale Schnipsel und wenn man jetzt sieht wie die Ideen umgesetzt und zusammengesetzt werden, ist es einfach nur klasse. Normalerweise geht es nicht so schnell, denn die Grafiker müssen erstmal die passende Idee entwickeln – aber wie sagte meine Lektorin so schön: „Die Muse hat unseren Grafiker schneller geküsst als gedacht“. Und diese Muse war wirklich fleißig. Der Entwurf für die Rezeptseiten ist perfekt. Er passt zu mir, zu meinem Geschmack und zu meinem Blog. Er lehnt sich daran an, ohne eine Kopie zu sein. Einfach perfekt – genau so habe ich es mir vorgestellt. Einen ersten Coverentwurf gibt es auch schon. Ich finde es eigentlich ganz cool, allerdings muss das Cover durch viele viele Gremien und Diskussionsrunden und es wird wahrscheinlich nicht der erste Entwurf sein, der letztendlich dann gedruckt wird. Apropo gedruckt: Habe ich schon erwähnt, dass mein Buch hier in Deutschland gedruckt wird? Ich finde das super, denn viele Verlage lassen ihre Bücher in Billiglohnländern wie China drucken. Dass mein Verlag mit Druckereien in DE zusammenarbeitet finde ich einfach super. Die heimische Wirtschaft unterstützen. Tschaka. Und es wird voraussichtlich kein Knochenkleber verwendet. Tschaka #2.

Der nächste Schritt ist jetzt das GO für die Grafiker um den ganzen Innenteil mit dem Layout zu versehen. Das wird erfahrungsgemäß 2 Wochen dauern, meint meine Lektorin. Aber wir werden sehen, anscheinend arbeiten die Grafiker momentan schnell. Dann bekomme ich den kompletten Innenteil als PDF und als Ausdruck zugeschickt und kann ihn auf Fehler und Ungereimtheiten untersuchen. Ich finde die Variante mit dem Ausdruck toll, denn auf Papier finde ich Fehler schneller. Mal sehen ob ich zu der Zeit gerade auf Gran Canaria weile. Ich hoffe es kommt früher an…


29.09.2015: So ein durcheinander.

Meine Güte – es ist nun 1 Monat vergangen seit ich das letzte Mal schrieb und es ist ziemlich viel passiert. Fangen wir aber da an, wo ich das letzte Mal aufgehört habe. Das fertige Layout kam am 07.09.2015 – nachmittags. Ich war gerade am Packen, denn in den frühen Morgenstunden des 08.09. fuhren wir Richtung Frankfurt um unseren Flieger nach Gran Canaria zu nehmen. Ich blätterte es am PC durch und schaute es mir schonmal an. Ich war ziemlich angetan, das muss ich sagen. Das Layout gefällt mir richtig gut. Nunja. Aber natürlich waren noch ein paar Änderungen vorzunehmen. Meistens hatte ich schlicht und einfach zu viel und  zu ausführlich geschrieben und so mussten einige Sachen gekürzt werden. Ich machte mir allerdings nicht mehr groß Gedanken darum, denn in dem Moment war mir mein lang ersehnter und – aus meiner Sicht – auch so verdienter Erholungsurlaub wichtiger. Ich war wirklich fertig.

Normale 9-Stunden-Arbeit jeden Tag, den normalen Alltag mit all seinen Terminen, Hochs und Tiefs, und dann auch noch Zeit zu finden, ein Buch zu schreiben, zu fotografieren und zu bearbeiten. Ich hatte den Urlaub nötig. Aber natürlich ging die Woche viel zu schnell um… Wir haben so viel unternommen (denn ich kann nicht eine Woche lang am Strand oder Pool rumliegen… Ich bin ein Aktivurlauber). Z.B. haben wir Ausflüge mit unserem Mietauto gemacht – die ganze Westküste von Gran Canaria hoch und durchs Inland wieder runter. Wir ritten auf Pferden durch die Pampa, machten eine Offroad- und eine Jetski-Safari und ritten sogar auf Kamelen. Natürlich war auch mal ein Strand-/Pooltag dabei. Alles in allem war dieser Urlaub genau die Auszeit, die ich gebraucht habe um den Kopf frei zu kriegen.

Wieder in DE angekommen, lag mir dann auch der Ausdruck vor. Ich las ihn mir mehrfach durch und ließ auch meine Schwester mal einen Blick auf die Texte werfen – denn ich kenne sie mittlerweile auswendig und könnte was übersehen haben. Und ich will ja auch keine Rechtschreibfehler in meinem ersten Buch… Den Ausdruck schickte ich dann wieder an meine Lektorin und die wollte dann mit dem Grafiker die Änderungen besprechen.

Apropo Grafiker: Als es ums Cover ging, meinte meine Lektorin, dass sie nochmal Fotos von mir bräuchten. Am besten vor hellem Hintergrund, andere Ausleuchtung etc. Da ich das in meiner Wohnung so aber nicht realisieren kann, meinte sie, dass ich nach Stuttgart kommen könnte – der Grafiker würde dann die Fotos machen. Nun, es sollte aber auch ein Foodprop drauf. Am einfachsten erschien mir die Tonkatorte ausm Buch. Aber von Kassel nach Stuttgart sind es knapp 4 Stunden Autofahrt und ähm – das hätte die Torte fertig verziert und alles wohl nicht überlebt. Also buk ich die Böden vor und machte die Creme und wollte die Tortenbestandteile dann am 18.09. gut gekühlt mit mir nach Stuttgart nehmen. Alles war vorbereitet, alles gepackt, das Hotelzimmer gebucht. Denn wir wollten Freitag runterfahren und das Shooting mit dem Grafiker machen und dann noch eine Nacht dort schlafen um nicht 8 Stunden im Auto zu sitzen. Vorher hätte ich vor Ort dann die Torte fertig gestellt. Wir waren gerade 40 Minuten auf der Autobahn, da sagte mein Freund, dass mit dem Auto irgendwas nicht stimme. Wir fuhren auf eine Raststätte und schauten nach. Mit einem unguten Gefühl fuhren wir dann zurück nach Hause, luden alles aus und er fuhr gleich weiter in die Werkstatt. Ich telefonierte mit meiner Lektorin, dass wir nicht kommen konnten, weil das Auto kaputt sei. Ein paar Stunden später bekam mein Freund dann die Hiobsbotschaft: mit dem Turbo war etwas nicht in Ordnung und er hatte über 900 € Schaden.

Wir machten dann einen neuen Termin aus, der aber ein paar Tage später platzte, weil der Grafiker dann doch nicht konnte. Der neue Termin – denn aller guten Dinge sind drei – war der 03.10.2015. Ja, ein Samstag. Und auch noch ein Feiertag. Denn unter der Woche konnte ich in dieser Zeit nicht einfach Urlaub machen weil wir teilweise zu wenige Leute an der Arbeit waren. Also wieder Hotelzimmer reserviert und schonmal Backzeit eingeplant… Mal sehen, ob wir dann bis nach Stuttgart kommen.

Ich hoffe immer noch ein bisschen, dass der Verlag sich für ein Cover nur mit Text entscheidet und ohne ein Foto von mir. Ich finde das um einiges hübscher und es würde sich auch von den ganzen anderen Bloggerbüchern abheben. Nicht noch ein Buch, von dem einen jemand anstrahlt… Aber ich bin gespannt – am 01.10. ist wieder eine Besprechung bei meinem Verlag und ich werde sehen, was meine Lektorin mir dann berichtet. Vielleicht kann ich ja das Hotelzimmer wieder stornieren und spare mir das Geld dafür und für den Sprit…

Nachtrag 29.09.2015: Die Sache mit dem Geld.

Achso, ich wollte euch eigentlich noch was erzählen. Bzw. den Leuten, die denken, dass ich nun Tausende Euros verdiene, mal den Zahn ziehen. Die Realität sieht folgendermaßen aus:

Natürlich bekomme ich als Autorin einen kleinen Prozentsatz vom Verkaufspreis. Wie gesagt, einen kleinen. Aber das bekomme ich erst, wenn sich das Buch gut verkauft und dann auch erst zu einem bestimmten Termin ausbezahlt. D.h. vor diesem Termin bekomme ich keinerlei Vergütung für meine Arbeit. Alle Ausgaben die ich bisher hatte, habe ich aus eigener Tasche bezahlt. Und es fällt einiges an, wenn man nicht nur die Rezepte schreibt, sondern auch die Gerichte kocht (Mehrausgaben!), Fotos macht (neues Objektiv musste her), das Foodstyling macht (jede Menge Props mussten gekauft (im Laden + auf jeder Menge Flohmärkten) und gebastelt werden (man braucht ja Auswahl bei so vielen Fotos), ich musste Stoffe kaufen und Servietten/Hintergründe daraus nähen oder gleich fertige Servietten kaufen, ich musste mehr Untergründe herstellen und dafür Holz, Farben etc. kaufen oder suchen) und die Bilder auch bearbeiten (Lightroom in der Testversion reichte da auch nicht mehr und schwupps – über 100 € weg). Dann braucht man Fotos von sich selbst – dafür muss der Friseur ran und ein paar neue Klamotten müssen auch her. Hätte mein Freund die Fotos nicht gemacht, hätte ich noch einen Fotografen bezahlen müssen. Man muss – wie ich – vielleicht nochmal zum Verlagsstandort fahren (z.B. für ein Covershooting) und schwupps, 200 € für Hotel und Sprit weg. Außerdem brauche ich jetzt einen Steuerberater. Das habe ich mit meinem ganz normalen Angestelltengehalt nicht gebraucht – das  ist jetzt eine ganz andere Sache.

Man wird als Kochbuchautorin nicht reich, wenn man alles selber macht und nur ein Buch schreibt. Man deckelt vielleicht die Vorbereitungskosten und kann sich hinterher was Hübsches kaufen oder auf was anderes sparen. Klar. Aber von einem Kochbuch wird man nicht reich. Es ist eine Sache, in die ich mein Herzblut fließen lasse und es immer mein Traum war – ich mache es nicht wegen dem Geld und den Verdienstmöglichkeiten.

Natürlich könnte man mit dem Argument kommen, dass ich ja auch alles für den Blog weiterhin gebrauchen kann. Nur seien wir mal ganz ehrlich – durch meine Arbeit am Buch haben sich meine Fotografiekünste und mein Foodstyling weiterentwickelt. Das hätte ich damals nicht gedacht, und ich hätte NIEMALS so viel Kram nur für den Blog gekauft. Ich hätte mich vermutlich niemals in diese Richtung entwickelt, wenn ich nicht so eine Perfektionistin wäre und mein Bestes geben wollen würde für so ein Projekt. Für den Blog hat mir das gereicht, was ich hatte. Natürlich bin ich wirklich glücklich darüber, dass meine Fotos immer besser werden. Aber ich hätte in dieses Hobby niemals so viel reingesteckt, wäre das Buch nicht gewesen.

Ich hoffe, ihr wisst meine Offenheit auch bei diesem Thema zu schätzen, denn ich denke so viel Klartext redet nicht jeder Blogger/Autor.

Kommentare :

  1. Ja, das war eine ganz schöne Menge, aber so manch einer träumt vom eigenen Kochbuch also für viele sehr hilfreich! 😘

    LG netzchen

    AntwortenLöschen
  2. Ich fand diese Reihe super toll, es war wirklich spannend zu lesen wie dein Buch entstanden ist und was da alles im Hintergrund läuft. Ist ja wirklich enorm viel Arbeit!Ich bin schon gespannt..
    Liebe Grüsse,
    Krisi

    AntwortenLöschen
  3. Christina - wirklich super spannend die Möglichkeit zu bekommen hinter die Kulisse zu schauen! Und wie viel Arbeit dahinter steckt! Wirklich wahnsinn, wie du das Kochbuch und dein normales Arbeitsleben unter einen Hut bekomme hast (ich will nach der Arbeit nur chillen und könnte sicher kein Kochbuch mehr schreiben :D). Ich bin ein bisschen neugierig und frage mich, wie das Buch dir denn nun gefällt - also das Cover mit dir darauf! Alles Liebe, Anni

    AntwortenLöschen
  4. Sehr interessant und wenn ich mal anmerken darf: Ein Glück, dass du einen neuen Namen für den Mohrenkopfkuchen gefunden hast. Ich selbst musste noch mal nachgrübeln, was zum Teufel noch mal Mohrenköpfe waren. So sehr habe ich mich schon an die Bezeichnung Schokokuss gewöhnt.

    AntwortenLöschen

Kommentare sind für mich wie ein besonders schönes Dessert, also:

♥ Danke für jedes liebe Wort ♥

PS: Negative anonyme Kommentare werden kommentarlos gelöscht.

Made With Love By The Dutch Lady Designs