Einkochen & Einmachen 1 x 1

8. September 2015


Meine lieben Leser.

Seit Jahren machen meine Mutter und ich Marmeladen und Gelees. Unser Liebling ist dabei das Trauben-Holunder-Gelee (Rezept gibt’s hier), welches wir aus den Trauben am Haus meiner Eltern machen. Allerdings bin ich, seit ich ausgezogen bin, richtig im Einmachfieber. Dieses Jahr war bisher ziemlich stressig und ich hatte sehr viel zu tun, aber nun habe ich wieder Zeit um mich einfach mal ein paar Tage nach der Arbeit in die Küche zu stellen und vor mich hin zu werkeln. Ich probiere gerade einige Rezepte aus und will euch dieses Jahr einige davon weitergeben. Aber beim Einmachen ist einiges zu beachten und daher dachte ich, wäre ein erster Vorbereitungspost ganz nützlich (dann muss man sich nicht immer wiederholen). Ich muss dazu sagen, dass ich keinen Einkochautomaten besitze und meine Gläser einfach in den Backofen stelle. Aber mehr dazu weiter unten.


Die Vorbereitung:

Überlegt euch zuerst, was ihr überhaupt einmachen wollt. Es gibt da zwei Arten:

  1. Gemüse etc. in Salz-, Zucker- oder Essigsud haltbar machen oder
  2. Saucen, Muse, Breie und ganze Gerichte einkochen ohne Konservierungsstoffe.

Bei der 1. Variante ist folgendes zu beachten:

Am besten erkläre ich euch diese Variante am Beispiel von Gewürz- oder Essiggurken.

Die Vorbereitung ist die, dass ihr die gesäuberten und auf schadhafte Stellen untersuchten Gurken in Salzwasser einlegt. Dafür geben ich auf 2 Liter kaltes Wasser 4 EL Salz und lasse die Gurken mehrere Stunden (auch über Nacht oder länger) in diesem Sud liegen. Das entzieht ihnen das Wasser ein bisschen und sie bleiben knackiger. Danach braucht ihr passende und ausreichend viele Gläser (am besten Weckgläser). Diese sterilisiert ihr zusammen mit den Glasdeckeln bei 150 °C 15 Minuten im Ofen (Heißluft). Habt ihr Schraubgläser, sterilisiert ihr die Deckel, indem ihr sie in einen Topf mit kochendem Wasser legt und 5 Minuten auskocht. Danach nehmt ihr die Gläser vorsichtig mit einer Zange heraus, stellt sie auf ein sauberes Geschirrhandtuch und lasst sie ein bisschen abkühlen. Dort gebt ihr dann die Gurken und die Gewürze hinein (egal ob geschnitten oder ganz) und erhitzt parallel einen Sud aus Essig, Wasser und anderen Zutaten (siehe einzelne Rezepte). Ihr gebt den heißen Essigsud mit einer Kelle in die Gläser mit den rohen Gurken und versiegelt die Gläser mit einem Gummiring, einem Deckel und einer oder zwei Klammern. Diese Art von Einmachgut muss nur bei 80 °C UNTERHITZE in den Backofen in ein tiefes Backblech mit ca. 2 cm Wasser darin. Ich lasse die Gläser dort eine ½ Stunde im Ofen und nehme sie dann mit einer Zange mit Silikoneinsätzen vorn heraus und lasse sie komplett auskühlen. Die Gläser sollten dann fest verschlossen sein und der Deckel sollte sich ohne die Klammern nicht von selbst abheben. Bei Schraubgläsern: Lasst sie komplett auskühlen und achtet darauf, dass die Deckel durch den Unterdruck nach unten gezogen wurden und nicht mehr nachgeben oder wackeln auf Druck.


Bei der 2. Variante ist folgendes zu beachten:

Hier müsst ihr mehr vorarbeiten – bzw. für mich arbeitet der Slowcooker. Wollt ihr z.B. Apfelmus einkochen, schält ihr eure Äpfel, entkernt sie und gebt sie in einen Topf oder Slowcooker (ich habe mir einen angeschafft, da diese Garmethode schonender ist, mehr Vitamine erhalten bleiben und der Geschmack einfach unschlagbar ist) und kocht sie so lange, bis eure gewünschte Konsistenz erreicht ist. Nun noch die Gläser (ich bevorzuge hier Schraubgläser mit einem Fassungsvermögen um die 430 ml - gibt’s z.B. bei Ebay günstig in großen Mengen) im Ofen bei 150 °C ca. 15 Minuten sterilisieren, mit einer Zange auf ein sauberes Küchentuch stellen und kurz abkühlen lassen. Die Deckel in kochendem Wasser auskochen, die Masse mit einem sterilisierten (gekochten) Trichter  in die Gläser füllen und fest verschließen. Vorsicht, hier ist alles heiß – daher dreht die Deckel am besten mit einem weiteren sauberen Geschirrhandtuch zu. Stellt die Gläser nun mit Hilfe einer Zange in den Ofen in ein tiefes Backblech mit ca. 2 cm Wasser darin und heizt den Ofen auf 180 °C UNTERHITZE auf. Lasst die Gläser ½ Stunde darin stehen und nehmt sie anschließend wieder mit einer Zange hinaus. Lasst sie komplett auskühlen und achtet darauf, dass die Deckel durch den Unterdruck nach unten gezogen wurden und nicht mehr nachgeben oder wackeln auf Druck.


Für beide Varianten gilt:

-          Sauberkeit ist das wichtigste beim Einkochen. Achtet also stets darauf, frisch gewaschene Geschirrhandtüchter zu verwenden etc.

-          Hat der Inhalt im Glas geschimmelt, müsst ihr die Deckel wegschmeißen und ersetzen. Das Glas könnt ihr nach gründlicher Reinigung wieder sterilisieren und weiterverwendenden.  

-          Gläser jedes Mal vor dem Befüllen auf Sprünge und Beschädigungen untersuchen und wegschmeißen, falls welche dran sind.

-          Erkaltete Gläser beschriften und kühl und dunkel lagern. In regelmäßigen Abständen auf Schimmelbefall und die Deckel kontrollieren. Liegen diese bei Weckgläsern z.B. nur noch auf, muss der Inhalt leider weggeschmissen werden.

-          Lasst beim Einfüllen ins Glas oben immer einen mindestens 2-cm-breiten Rand frei.


Zu der Haltbarkeit von hauseigenem Einmachgut kann ich eher wenig sagen. Ich verlasse mich da voll und ganz auf mein Bauchgefühl und meine Sinne. Sieht der Inhalt gut aus, riecht er gut und war der Deckel fest zu und halt geploppt beim ersten Öffnen, verwende ich meine eingemachten Lebensmittel auch nach über einem Jahr noch. Meistens aber werden sie gar nicht so alt… Es hängt natürlich auch stark davon ab, wie sauber und steril ihr arbeitet. Ist der Deckel aber nicht mehr fest drauf, sieht das Einmachgut grau aus, sieht man irgendwo Schimmel oder schwimmen komische Flocken etc. im Sud; dann nichts wie ab in den Müll damit. Das ist zwar schade, aber weniger lebensgefährlich als eine Lebensmittelvergiftung.  

Eine kleine Geschichte dazu? Mein Freund und ich haben, als seine Oma ins betreute Wohnen umziehen musste, ihre Weckgläser gerettet und mit zu uns genommen. Einige hatte noch Einmachgut darin und bei einem Glas war sogar ein Rumtopf von 1968 (meine Schwiegermutter in spe war damals 16, als dieser von ihrer Mutter zubereitet wurde – jetzt steht sie kurz vor der Rente) enthalten. Ich habe todesmutig eine Brombeere probiert – sie war noch gut. Also naja, gut wäre übertrieben, aber man konnte sie noch essen ohne umzufallen. Der Rum hat alles super konserviert und der Rumtopf war hervorragend durchgezogen. Natürlich haben wir ihn nicht weiter verspeist, sondern ihn dann entsorgt. Aber das nur mal zum Thema Haltbarkeit. ;-)


Ihr merkt, es ist ein bisschen Arbeit, aber wenn man dafür im Winter den Sommer aus dem Glas essen kann…Hachja. Dafür stellt man sich doch gern in die Küche, meint ihr nicht? Außerdem hat man so immer ein schnelles Geschenk aus der Küche bei der Hand, wenn mal ein Geburtstag etwas zu überraschend kommt…

Solltet ihr etwas nach einem Rezept von meinem Blog einkochen, taggt mich doch auf Instagram, Twitter oder Facebook und zeigt mir euer Werk. Ich sehe mir das sehr gerne an. :)

Kommentare :

  1. Das 1x1 des Einkochens und Einmachens hast Du wunderbar beschrieben. Auch ich bin dieser Leidenschaft verfallen :) Jedes Mal, wenn ich im Keller vor dem Regal mit den Gläsern und Flaschen stehe, überkommt mich ein Glücksgefühl. Es erinnert mich sehr an meine Kindheit.
    Herzliche Grüße, Renate

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  2. Ein wirklicher schöner Artikel und sehr hilfreich. Ich bin noch ziemlich neu auf dem Gebiet und kann jegliche Tipps zum Thema Einkochen gebrauchen. Daher finde ich es super, dass du alles so detailliert beschrieben hast. Ich hoffe, dass ich bald genauso schöne Speisen wie du kreieren kann.

    Viele Grüße
    Lisa

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Kommentare sind für mich wie ein besonders schönes Dessert, also:

♥ Danke für jedes liebe Wort ♥

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