Digital Natives – No Monologue

28. April 2015


Meine lieben Leser.

Ich mache heute bei einem neuen tollen Projekt mit. Derzeit sind es 9 BloggerInnen, die zu einem bestimmten Thema in einem bestimmten Zeitraum ihre Meinung darüber veröffentlichen und einen Artikel dazu verfassen. Mit dabei sind:

22.4. Vita 
 23.4. Alex
24.4. Caro 
 25.4. Maxie 
26.4. Alexandra
 27.4. Kato
28.4. Na ich! ;-)
29.4. Amy 
30.4. Diana 

Aber kommen wir zum eigentlichen Thema: Digital Natives. Um einen Zugang zum Thema zu finden (der Begriff war mir bisher nämlich gänzlich unbekannt), las ich den Wikipedia-Artikel darüber. Am einfachsten lässt sich das auf Deutsch wohl mit „digitaler Ureinwohner“ übersetzen und da machte es klick. Ja. Ich bin ein digitaler Ureinwohner. Ich bin mit Technik aufgewachsen, hatte in meiner frühen Schulzeit ein Handy und ein PC (allerdings der von meinem Vater), stand in meinem Zimmer. Ich konnte damit spielen und andere Dinge tun, denn meistens hatte ich als 11-jährige mehr Ahnung als mein Vater damals mit Ende 40. Ihn würde man wahrscheinlich am besten als „digitalen Einwanderer“ beschreiben. Putzig, oder? Eine Familie, und doch solche Unterschiede. 

Ich spielte am PC erst Barbie- und Pferdespiele, später kamen Chatprogramme hinzu (hachja ICQ – gute alte Zeit) und ich verbrachte immer mehr Zeit mit diesem Medium. Ich ließ den PC mehrfach richtig übel abstürzen (weil ich eben doch nicht immer wusste, was ich tue), aber ich brachte mir damit auch ziemlich viel selber bei. Während mein Vater ihn für Fotobearbeitung und hauptsächlich Word nutze, erschloss sich mir bald auch die Welt des Internets. Ich bekam meinen ersten eigenen PC und war dann mit meinen Freunden nicht mehr nur über SMS vernetzt, sondern schrieb mit ihnen stundenlang nach der Schule am PC und in Chatrooms. Ich lernte lustige, nette und auch weniger spaßige Zeitgenossen kennen und mein ganzes Teenagerleben drehte sich um Internet, Vernetzung und Chatrooms. Ich lernte das Multitasken so sehr früh und ließ Musik laufen, chattete bei ICQ und machte nebenbei Hausaufgaben oder andere Dinge. 

Heute weiß ich, dass das vielleicht nicht immer die beste Idee war… Aber warst du damals nicht bei ICQ erreichbar, warst du raus. Ich kannte es nur zu gut, wenn ich irgendwohin musste, wo kein Netz war: Dieses Gefühl, du verpasst etwas. Der PC ist aus und alle anderen sind noch drin. Nur du, du bist gerade offline. Ich unternahm natürlich auch im RL (real life) etwas mit meinen Freunden – so ist’s ja nicht. Gott sei  Dank hatte ich auch noch Hobbys wie Tanzen, bei dem man unter Menschen gehen musste. Aber der Kontakt mit anderen über Schrift fiel mir schon immer leichter (überraschend, da ich einen Blog schreibe, was? ;-)). Ich stellte im Internet mit meinen Freunden viel Unfug an, aber nie wirklich schlimme Dinge. 

Kennt ihr noch die ersten eigenen Homepages von damals? Meine Freunde und ich hatten natürlich alle welche und man machte extra Fotos, um diese dann auf die „das sind meine Freunde“-Seiten stellen zu können und etwas Nettes über diesen Menschen zu schreiben. Ich denke, das war die frühe Form von Facebook – Man wollte zeigen, mit wem man befreundet ist und wie cool die sind. Die frühe digitale Bühne sozusagen. Bald kamen die ersten Seiten wie Myspace, SchülerVZ und irgendwann dann WerkenntWen und Facebook. Auf einmal konnte man allen zeigen, wie toll man ist und wie viele Freunde man hat. Man musste keine eigene Homepage mehr erstellen sondern die Bühne wurde sozusagen mit der Anmeldung schon mitgeliefert.

Meine Generation muss sich hervorheben. Wir wollen alle etwas Besonderes sein: besonders kreativ, hübsch, dünn, wunderbar, exotisch… Ich könnte die Liste endlos fortführen. Uns reicht es nicht mehr, dass die Familie weiß, wie toll wir backen und kochen können. Wir wollen, dass es die ganze Welt weiß. Doof nur, dass wir 7 Milliarden sind und doch irgendwie immer irgendwer anders gerade gesünder oder schöner isst und sein Haar besser stylen kann. Früher gab es diese Konkurrenz in der Nachbarschaft oder im Dorf – heute konkurrieren wir weltweit. Wir wollen auf die digitale Bühne und kein Blogger kann mir erzählen, er würde sich nicht für etwas Besonderes halten. Wir wollen entdeckt werden. Wir wollen alle, dass unsere Meinung von der digitalen Community aus aller Welt akzeptiert wird. Jeder will hören, dass sein Baby das süßeste auf der Welt ist – von allen Followern, nicht nur von den schleimenden Arbeitskollegen. Wir können wildfremde Menschen den ganzen Tag verfolgen, weil sie ihre Tage filmen und auf Youtube hochladen. Der neugierige Voyeur in uns wird zu allen Tages- und Nachtzeiten befriedigt – und man wird nichtmal als Spanner betitelt. Meine Generation ist auf schnelle Infos aus; wir warten nicht gerne auf Antworten und können sie uns auch jederzeit abholen. Jede Frage wurde im Internet schonmal gestellt und wir finden auf alles Antworten. Ob diese richtig oder falsch sind – das ist im ersten Moment nicht wichtig. Suche ich ein Rezept, schaue ich ins Internet und nicht mehr in die Koch- und Backbücher, die ich zu Hause rumstehen habe. Schade eigentlich, aber so ist es nunmal.

Und dann gibt es die Generationen über mir. Die einfach gar keine Ahnung haben, was man alles mit der digitalen Welt anfangen kann. Meine Mutter z.B. kann einen PC nicht wirklich bedienen. Sie weiß nicht (und will nicht wissen), wie man ein Worddokument schreibt, speichert und verschickt. Das, was ich teilweise hundertfach am Tag mache (egal ob zu Hause oder an der Arbeit), ist ihr komplett fremd. Okay, sie braucht es in ihrem Job auch meistens nicht… Mein Vater kennt sich ein bisschen aus, mein Opa liest jeden Tag meinen Blog. Die digitalen Einwanderer haben sich einige Dinge beigebracht, aber sie gehen nicht so natürlich damit um wie ich und meine Altergruppe.

Für uns ist es normal, immer erreichbar zu sein und es fühlt sich komisch an, es nicht zu sein. Für mich wäre es unvorstellbar, in einem fremden Urlaubsland keine Hilfe rufen zu können, weil ich kein Handy dabei hätte. Natürlich überlebt man ohne Internet und Telefon – aber ich habe das einfach nie kennengelernt. Für mich ist es wichtig, mit meiner Schwester über WhatsApp schreiben zu können oder Dinge schnell zu klären. Wir haben nur so eine begrenzte Zeit auf dieser Erde und wir bekommen täglich dermaßen schlimme Tragödien mundgerecht serviert, dass wir alle versuchen, das Beste aus unserem Leben zu machen. Vielleicht machen wir das nicht, weil uns die digitale Revolution von vielem abhält – aber ich denke, dass ich eine gute Balance gefunden habe. Ich bin erreichbar, ja. Ich bin oft bei Instagram und Facebook. Ich schreibe viel für meinen Blog, oder fotografiere oder bearbeite. Aber ich nehme mir auch Offline-Zeit. Beim Kochen höre ich ein Hörbuch und dann bin ich bei dieser Aufgabe. Ich multitaske immer noch sehr viel. Aber nicht mehr bei wichtigen Dingen. Muss ich mich auf etwas konzentrieren, dann mache ich das. Ja, meine Denkmuster sind bestimmt durch all dies anders als das meiner Eltern und Großeltern. Aber ich denke wir können viel von unseren „Immigranten“ lernen. Sie geben uns Ruhe und Offline-Zeiten und wir helfen mit schnellen Lösungswegen und PC-Notrettungen. Es ist der Austausch und Ausgleich, der diese Welt schön macht.

Um das Thema abzuschließen, erzähle ich euch noch kurz, was wir machen, wenn wir uns mit Freunden treffen: Alle Smartphones auf den Tisch. Mit dem Display nach unten übereinander stapeln und wer das Handy anfasst, weil er nachsehen will, ob jemand geschrieben hat, der muss eine Runde ausgeben. So haben wir schon viele schöne und handyfreie Abende verbracht und ich muss sagen, das ist wirklich viel schöner, als wenn jemand ständig an dem Ding hängt. Aber ich muss sagen, dass wir da alle sehr diszipliniert sind. Allzu viele Runden kommen da nicht zusammen. ;-)

Wie ist das bei Euch? Generation Einwohner oder Immigrant?


1 Kommentar :

  1. Schon vom Alter her bin ich ein Digital Immigrant. Aber das finde ich auch nicht so schlimm. Keine andere Generation hat sich so verändert. Wir kennen noch die Sesamstrasse und draussen spielen, bis die Laternen angehen. Und dann eben die Digitale Seite.

    Ich gebe mir aber Mühe nicht immer on zu sein. Im Café bleibt es in der Tasche und Sonntags bemühe ich mich von Instagram etc wegzubleiben...

    Yvonne

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